Beiträge von Rüdiger Hülsmann
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Hallo zusammen,
neulich tauchte hier im Forum die Frage auf, warum OMSI eigentlich keine lineare Lenkcharakteristik unterstützt. Die Frage ist mehr als berechtigt – gehen wir ihr auf den Grund! Spoiler: Die Lösung steht weiter unten

Das Problem: Auch wenn man der Lenkung in OMSI eine lineare Kennlinie zuweist, so ist die Charakteristik trotzdem degressiv, also um die Mittellage herum sehr direkt und in Richtung der Lenkanschläge dann immer unempfindlicher – also genau andersherum, als man es braucht, gerade bei Bussen mit realistischen Wendekreisen. Die alternative Option „bi-progressiv“ ist dagegen überhaupt nicht zu gebrauchen, da die Lenkung um die Mittellage herum so unempfindlich ist, dass man schon für einen simplen Spurwechsel ordentlich kurbeln muss.
Die Ursache: Der Wert für die Lenkung in OMSI läuft intern zwar linear von 0-100% inv_min_turnradius, der Einschlagwinkel der Räder ergibt sich dann aber über den (Arcus-)Tangens, und der ist natürlich nicht linear bzw. proportional zum inv_min_turnradius, sondern hat die beschriebene degressive Kennlinie.
Die Lösung: Die ist so simpel wie funktionell: Ein „virtueller Gamecontroller“ übernimmt die Rolle des „Übersetzers“ und spielt OMSI eine angepasste, progressive Kennlinie vor, die mit der OMSI-internen degressiven Kennlinie verrechnet wird und heraus kommt – tadaaa – eine wunderbar realistische lineare Charakteristik für feinfühlige Steuerung in allen Lebenslagen!
Wie geht das Schritt für Schritt?
Schritt 1: Zunächst brauchen wir einen Emulator, der die Befehle unseres Gamecontrollers auf einen virtuellen Controller mappt und dabei unsere gewünschte Kennlinie abbilden kann. Ich empfehle hierfür den Xbox 360 Controller Emulator (Freeware), Download z.B. unter Jocys.com - Homepage. Falls diese Seite irgendwann einmal offline sein sollte, sucht einfach nach „xbox-360-controller-emulator-4-17-15-0.exe“ oder „X360CE.exe“.
Schritt 2: Der Emulator kann direkt nach dem Download als Anwendung gestartet werden und benötigt keine weitere Installation. Mit „Add“ wird das vorhandene Lenkrad ausgewählt, anschließend wird die Lenkachse unseres Controllers, üblicherweise Axis 1, der „Stick Axis x“ zugewiesen. Damit ist in der Systemsteuerung jetzt ein virtueller Gamecontroller namens „Controller (XBOX 360 For Windows)“ eingerichtet.
Schritt 3: Im Reiter „Left Thumb“ passen wir nun die Kennlinie nach unseren Wünschen an und stellen die Empfindlichkeit auf den experimentell ermittelten Wert von 24% ein (Trust me, Bro 😊). Damit erzeugen wir die gewünschte progressive Kennlinie, zu erkennen an der leicht bauchigen Form der roten Linie.
Schritt 4: Jetzt müssen wir den virtuellen Controller in OMSI einrichten. Hierfür wird der virtuelle Controller in den OMSI-Optionen in gewohnter Form über den Pfeilbutton vom linken ins rechte Auswahlfenster gebracht, aktiviert und auf der X-Achse mit einer linearen Lenkkennlinie versehen. Force Feedback bleibt unverändert, das kann der virtuelle Controller nicht in der gewünschten Form abbilden.
Schritt 5: Damit das Force Feedback weiterhin funktioniert, muss das vorhandene Lenkrad zwingend weiter aktiv bleiben, auch die Achsenzuordnung der Lenkung muss erhalten bleiben!
Damit sind im OMSI nun zwei Controller auf die Lenkachse gemappt. Klingt komisch, ist aber so

Schritt 6: Damit der virtuelle Controller die Inputs des echten Lenkrads auch wirklich überschreibt, muss der virtuelle Controller in der Auswahlliste unterhalb des Lenkradeintrags stehen! Wenn man das Lenkrad bereits eingerichtet hat, ist das auch der Fall, da der virtuelle Controller einfach ans Ende der Liste (gamectrler.cfg) angefügt wird.
Wenn die Reihenfolge der Controller in der Liste nicht stimmt, muss die Datei gamectrler.cfg (zu finden im OMSI-Ordner „\Inputs“ – vorher unbedingt Backup erstellen!) händisch bearbeitet werden, indem der Eintrag
[ctrl]
Controller (XBOX 360 For Windows)
…
bis zur Zeile vor dem nächsten nächsten [ctrl]-Eintrag markiert, ausgeschnitten und ganz ans Ende der Datei eingefügt wird.
Fertig!
Jetzt kann die erste Probefahrt beginnen und das vollkommen neue Fahrerlebnis genossen werden!
Zum Testen empfiehlt sich eine Kontrolle der Lenkradbewegung über den gesamten Lenkbereich. Mit den Thüringer-Wald-Bussen ist dies ganz einfach machbar: Im Ordner \Vehicles\TH_Ueberlandbus\Script wird in der Constfile „_Custom_Settings“ der Lenkwinkel „custom_steering_angle“ auf den halben maximalen Drehwinkel des vorhandenen Lenkrads gesetzt. Bei einem 900°-Lenkrad also auf den Wert 450. Damit muss das 3D-Lenkrad im OMSI-Cockpit exakt synchron zum Drehwinkel des Gamecontrollers laufen. Wenn nicht, ist irgendwo im Prozess etwas schiefgelaufen.
Wenn der virtuelle Controller korrekt funktioniert, merkt ihr das aber bereits am deutlich verbesserten Lenkverhalten im Geradeauslauf.
Achtung: Unter Umständen kann es am Anfang sein, dass die Lenkradanimation noch etwas hakelig ist und beim Lenken Vibrationen im Force Feedback entstehen. Dieser Effekt verschwindet jedoch, wenn man im Stand einmal vollständig das Lenkrad nach links und rechts dreht, und die Steuerung ist danach so geschmeidig wie sie sein soll.
Wer möchte, kann natürlich mit der Kennlinie für den virtuellen Controller noch weiter herumexperimentieren. Mit 24% Sensitivity kommt man wie gesagt auf eine exakt lineare Kennlinie, größere Werte machen die Mittellage noch etwas unempfindlicher (progressive Kurve).
Zugegeben, das Ganze funktioniert natürlich nicht für Tastatur und Maus, aber dort fällt die degressive Kennlinie nicht ganz so negativ auf wie beim Lenkrad.
Probiert es gerne aus uns lasst mich wissen, wie ihr die Verbesserung einschätzt. Ich bin garantiert nicht der erste, der diese Idee hatte, aber aufgrund der – wie ich finde – enormen Wirkung dieses Tricks wollte ich das einfach mal für alle hier aufschreiben.
Und nun viel Spaß!

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Klassische boolesche Logik: Wenn die Funktion, die über dem Wert geschrieben steht, aktiviert sein soll, dann "1", wenn nicht, dann "0". Also simpel gesagt "ja" oder "nein".
Bei Tastern am Lenkrad zur Blinkerbedienung bleibt es bei der Standardeinstellung, wie man sie aus OMSI kennt. Nur wenn jemand ein Lenkrad mit physischem einrastendem Blinkerhebel sein eigen nennt, führt die Aktivierung dieser Funktion dazu, dass das "virtuelle Einrasten" des Blinkerhebels außer Kraft gesetzt wird und der Blinker ausgeschaltet wird, sobald der Hebel wieder in Nullstellung ist.
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Beim Automatikgetriebe ZF Ecomat ist der Retarder als Primärretarder zwischen Wandler und Schaltgetriebe angeordnet. ZF beschreibt es selbst am besten: "Durch diese Anordnung sind die Bremskräfte direkt abhängig vom geschalteten Gang, d.h. in den unteren Gängen und damit bei niedrigen Geschwindigkeiten steht die höchste Bremswirkung zur Verfügung."
Mit 1250 Nm Bremsmoment ist die maximale Verzögerung durch den Retarder vom Betrag her nahezu identisch mit der maximalen Beschleunigung durch den Motor im jeweiligen Gang (bei der 299PS-Maschine mit 1200 Nm). Die Bremskraft ist also immer abhängig von der jeweiligen Gangdrehzahl und Gangübersetzung.
Die Schaltwagen hingegen haben einen Sekundärretarder, bei dem nur die Drehzahl der Kardanwelle und damit nur die Fahrgeschwindigkeit die Bremskraft bestimmt. Je schneller, desto kräftiger - unabhängig vom geschalteten Gang.
Was das Zischen angeht: Die Ölfüllung und -entleerung des Retarders wird beim Ecomat pneumatisch unterstützt, um kurze Ansprechzeiten zu ermöglichen.
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Weiss nicht ob es schon erwähnt wurde, mir fiel auf dass der Blinker bei allen Bussen sich zu schnell zurückstellt, schon bei minimalen Lenkradbewegungen.
Die Werte in der constfile sind etwas niedrig und auch in der lights.osc gibts da einen kleinen Fehler meiner Meinung nach.
Da der Lenkwinkel lights_blinkautom_lenkwinkel beim leichten nach links lenken auch über 360 Grad steigt, wird die Rückstellung dann auch für den rechten Blinker ausgelöst. Die Variable lights_blinkautom_arm wird auch nicht mehr auf 0 gesetzt nachdem der Blinker aus ist. Mich hat es beim Anfahren der Haltestellen schon sehr gestört, dass immer der Blinker ausgeht.
Noch eine kleine Ergänzung und Erläuterung meinerseits:
Da spielt sicher dem einen oder anderen die Macht der Gewohnheit einen Streich, denn der Blinkerhebel war jetzt 14 Jahre lang in OMSI falsch umgesetzt und das korrekte Verhalten wirkt sicher erst einmal ungewohnt

Die Blinkerrückstellung hat in Wirklichkeit nichts mit dem tatsächlichen Lenkeinschlag der Vorderräder zu tun, sondern nur mit dem Drehwinkel des Lenkrads (mit dem der Blinkerhebel mechanisch verbunden ist).
Wenn der Blinkerhebel inkl. Mitnehmer eingerastet ist, dann gilt:
- Rechter Blinker schaltet ab, wenn das Lenkrad nach links über die "1-Uhr-Stellung" gedreht wird.
- Linker Blinker schaltet ab, wenn das Lenkrad nach rechts über die "11-Uhr-Stellung" gedreht wird.
Jeweils komplett unabhängig davon, ob die Räder nach links oder nach rechts eingeschlagen sind. Wenn ich z. B. halblinks eingeschlagen habe und den rechten Blinker betätige, dann schaltet der auch aus, wenn ich das Lenkrad weiter nach links über 1 Uhr hinaus drehe - auch wenn die Vorderräder die ganze Zeit nach links zeigen.
Genauso schaltet der linke Blinker beim Linksabbiegen auch schon ab, sobald ich das Lenkrad beim Geradeziehen das erste mal über 11 Uhr nach rechts zurückdrehe - und nicht erst, wenn die Vorderräder wieder geradeaus zeigen.
Die Lenkwinkel, wann der Blinkerhebel einrastet bzw. zurückspringt, stammen wie von Tristan beschrieben aus Yanis Video vom echten Bus. In Wirklichkeit halten viele Fahrer übrigens den Blinkerhebel fest, wenn sie an der Haltestelle anlegen - nämlich genau weil beim Zurücklenken der rechte Blinker sonst ausgehen würde - also alles wie in echt. OMSI - Weil's geht

Ach ja: Die frühere Variable lights_blinkautom_arm ist jetzt eine Konstante und damit immer gleich.
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Kleine Ergänzung hierzu: Wird gleichzeitig über Bremspedal und Retarderhebel gebremst, wird immer aus beiden Eingaben der höchste Sollwert als Retarderstufe genommen. Bremst man also z. B. leicht mit der Fußbremse und zieht den Retarderhebel auf 5, wird auch mit Stufe 5 gebremst.
Die Temperatur der Radbremsen wird nicht simuliert, aber die im Retarder erzeugte Bremsleistung wird als Wärme ans Motorkühlwasser abgeführt. Wenn man die B85 mit 100 km/h den Berg Richtung "Am Rennsteig" runterkachelt und vorm Abbiegen mit Stufe 5 runterbremst, sind das durchaus ein paar Grad Unterschied. Und die Kupplung kann natürlich auch heiß werden und verschleißen, aber das wisst ihr ja schon

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Das ist der 5. Gang beim Ecomat - der heult immer. Und die neue Fahrphysik, die bei Lastwechseln und niedriger Motordrehzahl das typische Längsruckeln/Pendeln im Antriebsstrang nachbildet. Daher pulsiert auch der Sound

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Das klingt nach weggeschliffenen Reibbelägen. Probier mal, den Bus zu reparieren, dann hat die Kupplung wieder den vollen Biss.
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Ich finde es außerdem sehr interessant, dass Rüdiger Hülsmann scheinbar eine treibende Kraft hinter diesem Add-On ist. Schön zu sehen, dass er sich nach all den Jahren immer noch (oder wieder?) Omsi widmet.
"Treibende Kraft" ist sowas von übertrieben - die Lorbeeren häng ich mir wirklich nicht um

Ruhm und Ehre gebühren dem fleißigen Team von SimART-Studio, die hier Großartiges erschaffen haben!
Ich habe lediglich an der einen oder anderen Stelle scriptseitig mit unterstützt (z. B. bei der Fahr- und Antriebsphysik und bei verschiedenen Details wie den Rollobommeln)

Wünsche allseits gute Fahrt!